FILM

ZOOM-Session

Complicated Happiness, Rosalia Namsai Engchuan

Als ausgebildete Sozialanthropologin hat Rosalia Namsai Engchuan ihr Videoprojekt auf der Basis von Feldforschungen im Thai-Park und im Thai-Tempel, sowie von Interviews mit der thailändischen Community in Berlin und ihrer laufenden Forschungs- und Archivarbeit in Thailand entwickelt. Video ist für sie kein Mittel zur Aufzeichnung, sondern eine Methode, um Geschichten zu erforschen und gemeinsam zu erzählen. Ausgehend von der Frage: „Was wäre, wenn der Lauf der Geschichte von weiblicher Fürsorge anstatt von männlichen Machtspielen gelenkt würde?“, ist es Rosalias Ziel, zugrundeliegende koloniale Strukturen sowie die Kategorien „Rasse“, Gender und Klasse, die die Herstellung unserer Welt prägen, durch eine Feminisierung von Geschichte und Zukunft aufzubrechen.

He was once here, Puangsoi Aksornsawang

Als Puangsoi Aksornsawang nach Jahren des Studiums in Deutschland ihre Eltern besucht, findet sie zufällig in einem Gespräch heraus, dass ihr Vater eine Weile in West-Berlin lebte. Dort besuchte er deutsche Freunde, die er als Thailand-Reisende kennengelernt hatte. Die Bilder in seinem Fotoalbum, die einen touristischen Blick auf die Zeit um die Wiedervereinigung von Berlin werfen, werden zum Material der Filmemacherin.

film ii

09.12. | 14:30- 15:25

1. „Sorge 87“ (2018, 10 Min.), Regie: Thanh Phuong Nguyen

Inhalt:  Die Protagonist*innen des Kurzfilms sind die Eltern der Regisseurin, ehemalige vietnamesischen Vertragsarbeiter*innen und deren deutsche ehemalige Betreuer*innen. Statt seine Protagonist*innen jedoch mit der Kamera zu filmen, läuft eine Tonspur mit den Interviews und visuell Bilder mittels einer speziellen Drucktechnik. Das ergibt einen ungewohnten, verblüffenden Effekt. 

2. „Gehrenseestraße 1“ (2020, 6 Min.) Regie: Duc Ngo Ngoc

Inhalt: Der Regisseur besucht mit dem Sohn einer ehemaligen Vertragsarbeiterin aus Vietnam, Nguyen Anh Tuan, die Ruinen des Wohnheimkomplexes in Berlin-Lichtenberg und erzählt filmisch die Erinnerungen seines Protagonisten an sein Leben in diesem Wohnheim.

https://heimatkunde.boell.de/de/mediathek

3. „Audiospaziergang“  (2020, 23 Min.), Regie Duc Ngo Ngoc 

Inhalt: Eigentlich wollte der Regisseur vor allem die ehemalige Vertragsarbeiterin  Thu Huong Pham Thi ​zu ihrem Leben in der DDR interviewen, doch dann kommen immer mehr Kommentare von der mitspazierenden Tochter Giang Thuy hinzu, und es entspinnt sich Mutter-Tochter-Dialog, der klassische Konflikte zwischen erster und zweiter Generation freilegt. 

https://www.boell.de/de/aus-vietnam-die-ddr-40-jahre-vertragsarbeiter-abkommen

8.png

film ii

09.12. | 14:30- 15:25

Vietnamesische Vertragsarbeiter*innen - Filmgeschichten und ein Audiospaziergang

Angelika Nguyen ist Autorin, Filmemacherin und -wissenschaftlerin. Sie beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit dem Erbe des Vertragsarbeiter*innen Systems der ehemaligen DDR. Sie stellt eigene Arbeiten, sowie Filme der Enkelgenerationen vor. Die Geschichte der vietnamesischen Vertragsarbeiter*innen im Osten Deutschlands begann am 30. April 1980 mit der Unterzeichnung der Staatsverträge zwischen den Regierungen der DDR und SRV. Offiziell als „Bruderhilfe“ verbrämt – also Ausbildung und Qualifikation zur Hilfe zum „sozialistischen Aufbau“ zu Hause,  de facto die ungelernte Beschäftigung auf Arbeitsstellen der entsprechenden Lohngruppen. In diesem Lohnsektor war viel Arbeitskräftebedarf der DDR. So waren die die Verträge also zum „gegenseitigen“ Nutzen geeignet, brachten doch die DDR-Löhne finanzielle Unterstützung für den Staat Vietnams und für die Familien der entsendeten Menschen daheim. Die jungen Vietnames*innen (18 -21) waren jedoch mit Klauseln im Vertrag konfroniert, die ihr Leben einschränkten und systematisch isolierten. Außerdem gab es Missgunst und Rassimus in der DDR-Bevölkerung ihnen gegenüber. Nichtsdestotrotz befand sich ihr Leben in einer gewissen sozialen Plan-Sicherheit.

Zäsur Mauerfall: danach änderte sich das Leben der Vertragsarbeiter*innen grundlegend. Massenarbeitslosigkeit – 50 % schon im Sommer 1990. Die Verträge verloren ihre Gültigkeit. Nur ein Bruchteil der Arbeiter*innen blieb. Sie bauten sich in unternehmerischer Selbstständigkeit mit eigenen Läden, Imbissen, Obst & Gemüse Existenzen auf. Daneben organisierten sich viele in Vereinen. Diese Selbst-Organisationen, die sich nach und nach politisierten, nicht zuletzt durch rassistische Gewalt (1992: Mord an Nguyen Van Thu in Marzahn/Pogrome in Hoyerswerda & Rostock). Die ehemaligen Vertragsarbeiter*innen gründeten Familien, bekamen Kinder, ließen sich nieder und erstritten das Bleiberecht 1997. Die Kinder der Vertragsarbeiter*innen von damals erzählen heute die Geschichten aus der vietnamesischen Diaspora in Deutschland. 

Sie sehen die Filme: 

„Sorge 87“ (2017) Regie: Thanh Nguyen Phuong (10’), „Gehrenseestraße 1“  (2020) Regie: Duc Ngo Ngoc (6‘ ) und hören im „Audiospaziergang“ ein Interview mit der ehemaligen Vertragsarbeiterin Thu und ihrer Tochter Giang (2020), Regie: Duc Ngo Ngoc (23’).

8.png

film i

09.12. | auf der website

Complicated Happiness, Rosalia Namsai Engchuan

Als ausgebildete Sozialanthropologin hat Rosalia Namsai Engchuan ihr Videoprojekt auf der Basis von Feldforschungen im Thai-Park und im Thai-Tempel, sowie von Interviews mit der thailändischen Community in Berlin und ihrer laufenden Forschungs- und Archivarbeit in Thailand entwickelt. Video ist für sie kein Mittel zur Aufzeichnung, sondern eine Methode, um Geschichten zu erforschen und gemeinsam zu erzählen. Ausgehend von der Frage: „Was wäre, wenn der Lauf der Geschichte von weiblicher Fürsorge anstatt von männlichen Machtspielen gelenkt würde?“, ist es Rosalias Ziel, zugrundeliegende koloniale Strukturen sowie die Kategorien „Rasse“, Gender und Klasse, die die Herstellung unserer Welt prägen, durch eine Feminisierung von Geschichte und Zukunft aufzubrechen.

 

Kontakt

© 2020 by Cornelius Gesing,  Studio Marshmallow